Kann das so einfach sein? So vieles zu bedenken ...

Kann das so einfach sein? So vieles zu bedenken …

So gelingt Beratung

Beratung, zumal systemische Beratung, zeigt unter folgenden Voraussetzungen gute und dauerhafte Wirkung:

Berater und Klient schließen einen Vertrag für diese eine Sitzung. Sie einigen sich darauf, sich in einer Haltung zuversichtlichen Nichtwissens gemeinsam gedanklich in Situationen zu begeben, die sie noch nicht kennen können (sonst bräuchten sie sich nicht zusammenzusetzen).

In der Grundannahme, dass sich im Dialog für beide Seiten etwas Neues entwickeln wird, liegen zwei zentrale Vorteile:

Der Berater kann kreative Angebote machen

Die Klienten können sich auf Neues freuen: Sobald sie zulassen, dass sie nichts wissen können von dem, was kommen wird. Und dass sie ihrem Gehirn nur freie Bahn zu lassen brauchen, damit es etwas für sie baut, womit sie etwas anfangen können.

Es gibt nur eine einzige Hürde bei Veränderungen

Die einzige Hürde bei Veränderungen ist die irrtümliche Annahme, dass es schwer werden würde

Klienten, die schon eine längere Zeit der Suche nach Lösungen hinter sich haben, blicken auf eine Zeitachse, die in der Vergangenheit liegt. Was sie dort sehen bzw. über die zurückliegende Zeit rekonstruieren, ermutigt sie nicht unbedingt.

So lange stehe ich schon unter diesem Druck. Das wird bestimmt einiges an Gesprächen kosten, bis „sich“ etwas ändert.

Der Berater kauft das Konzept und befeuert es womöglich. Nicht, weil er ein schlechter Berater wäre. Er ist einfühlsam. Er hat Empathie verinnerlicht. Und so stimmt er in das Klagelied des Klienten ein und gibt ihm Termine.

Die einzige Hürde ist wirklich, dass einer oder zwei in einem Beratungssystem sich darauf einigen, dass eine bestimmte Anzahl von Stunden nötig wäre. Beim Blick auf die Zeitachse, auf der sich in der Vergangenheit das Problem (vermeintlich) bewegt hatte, entsteht dieser Eindruck.

Das jedoch ist ein Trugschluss.

So lösen Sie die Hürde auf und ermöglichen Veränderungen

Der Geist, die Gedanken, die vermeintliche Vernunft: alle drei mit Achtung behandeln – und das Gehirn arbeiten lassen

In vielen Beratungssitzungen haben wir es schon erlebt:

Einerseits ist da eine große Sehnsucht, etwas zu verändern.

Andererseits sind da Zweifel, ob das so schnell gehen kann – und ob es überhaupt geht.

Das Gehirn verschwendet Unmengen kognitiver Ressourcen mit der Frage, ob die angebotene Veränderung möglich ist. Deshalb fehlt dem Gehirn die Ressource, etwas einfach umzusetzen:

Das Gehirn kann sich alles Einfache sofort merken. Zum Beispiel die Zimmernummer des Hotels, in dem Sie gerade einchecken. Also kann es sich auch einen ergänzenden Gedanken merken und ihn immer dann hervorholen, wenn ein unangenehmer Gedanke auftaucht. Ein ergänzender Gedanke kann aus einem bisher stabil und bedrohlich wirkenden Gedankenkonstrukt ein wankendes und in sich zusammenfallendes Konstrukt machen.

In Nullkommanichts.

Man sieht es den Klienten an, wenn ihre Gehirne mit dem Assoziieren beginnen. Anfangs wirken sie leicht irritiert, dann lachen Sie gemeinsam mit dem Gehirn. Sie beobachten sich beim Verändern. Es liest sich womöglich wie eine philosophische Frage, aber es ist rein praktischer Natur. Natur pur.

Die Balance finden zwischen Ermutigung und Überforderung

Einen kleinen Kunstgriff gibt es noch, und auch dieser ist einfach zu erlernen

Menschen sind berechnend. Das meine ich nicht negativ, sondern in der Weise, wie Menschen die Größe einer Parklücke einschätzen oder in der Küche das nötige Augenmaß haben, um für den Rest aus einem Topf die passende Schüssel aus dem Schrank zu holen.

Mit diesem Maß wird gemessen. Auch bei Problemen.

Nehmen wir nun an, es kommt jemand mit einem Problemberg. In seiner Vorstellung trägt die Person einen Problemberg mit sich herum. Wenn ich als Berater mit dem Kaffeelöffel winke und behaupte, damit bewegen wir den Berg, zeigt mir der Mensch zumindest innerlich den Vogel. Er nimmt mit den ihm eigenen Erfahrungen Maß und stellt fest: niemals.

Da Klienten aber höflich sind und die Berater nicht enttäuschen wollen, sind viele bestrebt, zu nicken, während sie innerlich abschalten.