Ich-Story – wie lautet die Geschichte, die Sie heute über sich erzählen?

Über die Ich-Story schreibt Johannes Faupel (das bin ich)  in

Burnout-Prävention und -Intervention im Marketing

Burnout-Prävention und -Intervention im Marketing

Burnout-Prävention und -Intervention im Marketing

Anleitung zu innerer Change-Kommunikation, freundlichen Selbstbriefings und gesunder Erschöpfung

Springer, 2020, auf Seite 58 von der Ich-Story.

Auszug aus dem neuen Springer-Buch:

„ (…) viele Menschen (erzählen) jeden Tag dieselbe Kurzgeschichte, die sie mit ihrem Leben verwechseln (frei nach Max Frisch „Mein Name sei Ganten- bein“, Frisch 1975). Eine wirkliche Fortsetzung findet oft nur als Wiederholung statt, nicht aber als Weiterentwicklung.

Der Wechsel der Straßenseite – ein erfrischend anderer bzw. abgewandelter Gedanke:

Es braucht nicht viel, um eine Entwicklung in Gang zu setzen.

Das einzige, was die Menschen davon abhält, ist das Vorwort, das sie allen Veränderungsoptionen voranstellen. Ich formuliere es bewusst vorsichtig, damit Sie wissen, dass dies nicht meine Ansicht ist:

Wer meint, es bedürfe gewaltiger Anstrengungen (Umbaumaßnahmen, Erdbewegungen, Runderneuerungen) im Leben, um überhaupt etwas zu verändern, z. B. den Umgang mit sich selbst, der Arbeit und dem Privatleben, wird es genau so erleben.

Viele Menschen sind davon überzeugt, dass es in ihrem Leben kaum neue Kapitel geben kann, die sich deutlich von den bisherigen unterscheiden. Diese An- sicht ist es, mit der sich viele davon abhalten, einer kleinen Veränderung Raum zu geben.

(…) Ich zeige Ihnen eine Werbeanzeige, die das Thema Storytelling über sich selbst zum Thema hat. Zielgruppe sind an sich alle Menschen, die mindestens eine Eigenschaft miteinander vereint: das Interesse daran, ihre Arbeits- und Lebenskonzepte sinnvoll zu verändern.

Wie wird heute Ihre Ich-Story?“

Danach fragt Sie in „Burnout-Prävention und -Intervention im Marketing“ das folgende Motiv:

Ich-Story – Was erzählen Sie über sich selbst?

Ich-Story – Was erzählen Sie heute über sich selbst?

Warum ist die Ich-Story so wirksam?

Die Geschichte, die ein Mensch über sich erzählt, ist meistens alt. Ein Kind wächst in einem Kontext auf, der das Kind prägt. Wenn sich nichts ändert, d. h. wenn der junge Mensch in der Adoleszenz nichts ändert, schreibt er eine Fortsetzungsgeschichte der Saga, die bei seiner Geburt über ihn begonnen wurde.

Es gibt gute Geschichten. Sie können als Ich-Story in ein gelingendes Leben münden

Eltern, Geschwister, Lehrer, Freunde, Mentoren können über einen Menschen eine Geschichte erzählen, die ihn für sich und das Leben öffnet. Sie können ihn darin bestärken, sich nicht mit dem gerade Erreichten zufriedenzugeben oder damit abzugeben, dass ihm bestimmte Handgriffe beim ersten, zweiten und zehnten Anlauf noch (!) nicht gelingen. Sie können eine Menschen zu der glückbringenden Überzeugung einladen, dass es höchstwahrscheinlich eine Verteilung von Chancen im Leben gibt, die für alle auf diesem Globus ähnlich sein dürfte. Das beweisen jene, die sich aus Slums und diesen ähnlichen familiären Strukturen herausarbeiten. Period.

Es gibt zweifelhafte Geschichten. Wir sollen sie von früh bis spät in Frage stellen und eine neue Ich-Story schreiben

Es kann sein, dass bisher über einen Menschen eine Geschichte erzählt wurde, die seine Möglichkeiten und Tugenden nicht im Mittelpunkt hatte. Sondern das, was er in den Augen anderer nicht ist. Aber sein sollte. Er sollte das Geschäft der Eltern fortführen. Er sollte Rechtsanwalt werden. Er sollte. Sie sollte. Wer eine solche Geschichte von anderen übernimmt, lebt sein Leben nicht. Die Person wird immer versuchen, sich in ein Drehbuch zu quetschen, in dem sie aber bestenfalls einen Statisten abgibt, niemals aber den Hauptdarsteller.

Deshalb habe ich die Geschichte von der Ich-Story angefangen. Wer ins Zentrum für Supervision zur Beratung kommt, bringt seine Ich-Story mit. Unsere Klienten berichten – oft dramatische Geschichten – von Mobbing, Erbschaftsstreitereien, Paarkrisen, Firmenkrisen, Auftragsflauten, Angstzuständen, zwanghaft wirkendem Verhalten, Suchtproblemen, unerfülltem Kinderwunsch.

Allen diesen Geschichten ist eines gemeinsam: Die Menschen erleben sich mehr in einer Rolle des Außenseiters. Viele beschreiben ihre Situationen so, als würden diese ihnen widerfahren. Daran ist auch viel Wahres. Aber es ist nicht die gesamte Wahrheit. Die (ganze) Wahrheit ist ohnehin die Erfindung eines Lügners, stellte Heinz von Foerster fest.

Wahrheit soll die Erfindung eines Lügners sein?

Formulieren wir es so: Menschen, die vollständige Wahrheit für sich in Anspruch nehmen, klammern Tatsachen aus, die sie nicht kennen können. Dies führt unweigerlich dazu, dass sie unvollständige und damit in Teilen unwahre Geschichten in die Welt setzen:

Wenn jemand über jemand sagt Herr X kommt notorisch zu spät ins Büro, dann mag es dafür beim Blick auf die Uhr gewisse faktische Entsprechungen geben. Doch das Zuspätkommen von Herrn X ist nicht die Wahrheit über Herrn X. In Wirklichkeit, d. h. im ihm bekannten Teil seines Privatlebens, hat Herr X ein gesundheitliches Leiden. Andere wären bei seiner Diagnose längst berufsunfähig und würden sich alimentieren lassen. Herr X aber hat sich entschieden, sein Leben zu meistern, auch wenn er täglich eine Stunde (manchmal mehrere Stunden) dafür braucht, um nach schlechten, kaum von Schlaf gekennzeichneten Nächten zu sich zu kommen. Deshalb ist er häufig einige Minuten später als die Kollegen im Büro. Dafür bleibt er aber auch abends länger. Was die pünktlich Gehenden nicht bemerken. Würde Herr X die Geschichte der anderen über sich zu seiner Ich-Story machen, könnte er eine Depression entwickeln oder ein Alkoholproblem. Er hat sich aber für seine höchstpersönliche Ich-Story entschieden. Dabei würde er nicht so weit gehen wie ich, wenn Herr X zu einem Supervisionsgespräch käme. Ich würde als näherungsweise Wahrheit bzw. Ergänzung zur kümmerlichen – bisherigen – folgende Geschichte erzählen:

Herr X ist in Wahrheit (auch) ein bescheidener Held, der kaum über seine Schwierigkeiten spricht. Zuverlässig dient er seinem Unternehmen, hat stets ein offenes Ohr für Menschen in seiner Umgebung, erkennt die Anliegen der Kunden schnell.

Heinz von Foerster sagte zum Thema Wahrheit in einem ZEIT-Interview:

Schon das englische Wort für Wahrheit, truth, geht, wenn man die Wortgeschichte analysiert, auf den Begriff der Treue und des Vertrauens, trust, zurück. Wenn ich die Wahrheit als ein Vertrauen von Mensch zu Mensch begreife, dann brauche ich keine externen Referenzen mehr. Dann kann ich das, was er sagt, einfach hinnehmen, weil wir uns gegenseitig treu sind. Es ist nicht mehr die Frage, wer recht hat, wer lügt, sondern ob man dem anderen vertraut, ob man sich auf ihn verlassen kann. Wenn er mir sagt, daß die Klapperschlangen den Radetzkymarsch spielen, dann frage ich gar nicht, ob sie das wirklich tun. Ich vertraue ihm einfach, ich glaube ihm. Auf diese Weise entsteht eine vollkommen andere Relation.

Neue Ich-Story – oder: ein neues Wort. Für den Anfang.

Veränderungen sind immer dann gut, wenn sie einfach umzusetzen sind. Lernprozesse gelingen am besten, wenn das Gehirn eine freundliche Einladung bekommt. Auf Verbesserungsbefehle reagiert das Gehirn mit Generalstreik. Mein Gehirn macht das so, und ich kann es gut verstehen.

Sprache basiert auf Mustern. Eine Sprachmusteranalyse zeigt in der Supervision schon innerhalb weniger Sekunden, welche Skripte in einem Menschen laufen – und welche Handlungsanweisungen diesen folgen. Auf den ersten Blick und auf den ersten Metern der Bewusstmachung wirken diese Skripte wie in Stein gemeißelt. Tatsächlich sind sie formbar wie Knetmasse, die in der Sonne auf dem Fensterbrett liegt.

Das Umschreiben einer Ich-Story ist einfach

Es spielt keine Rolle, wie eine Ich-Geschichte bislang gelautet haben sollte (ich schreibe die Beispiele bewusst nicht in der Ich-Form):

  • jemand hört sich über sich sagen, er wäre immer so schüchtern
  • eine Person berichtet über sich, sie könne sich nicht konzentrieren
  • ein Mitarbeiter klagt, er würde keinen Anschluss in der Kollegenschaft finden
  • ein Unternehmer beschreibt seinen Markt als enorm schwierig
  • ein Ehepartner nennt seine Versuche der Beziehungsgestaltung als gescheitert

Erster Schritt des Umschreibens: Vergangenheitsform

  • jemand hörte sich über sich sagen, er wäre immer so schüchtern gewesen
  • eine Person berichtete über sich, sie habe sich nicht konzentrieren können
  • ein Mitarbeiter klagte, er hätte keinen Anschluss in der Kollegenschaft gefunden
  • ein Unternehmer beschrieb seinen Markt als enorm schwierig
  • ein Ehepartner nannte seine Versuche der Beziehungsgestaltung als gescheitert

Zweiter Schritt des Umschreibens: „bisher“ und/ oder „noch“ einbauen

  • jemand hörte sich bisher über sich sagen, er wäre immer so schüchtern gewesen
  • eine Person berichtete bisher über sich, sie habe sich noch nicht konzentrieren können
  • ein Mitarbeiter klagte, er hätte noch keinen Anschluss in der Kollegenschaft gefunden
  • ein Unternehmer beschrieb seinen Markt bisher als enorm schwierig
  • ein Ehepartner nannte seine bisherigen Versuche der Beziehungsgestaltung als gescheitert

Was ist hier anders? Nur einige Buchstaben bzw. Laute beim Sprechen? Weit gefehlt! Bei diesen Veränderungen bleibt für das Gehirn kein Stein auf dem anderen, was den vermeintlichen Wahrheitsgehalt der bisherigen Ich-Story betrifft.

Dendriten GehirnHört das Gehirn „bisher“, fragt es „was ist dann ab jetzt?“

Das Gehirn ist unablässig mit dem Assoziieren beschäftigt. Wenn Sie ihm eine Veränderung anbieten, wird es seinerseits mit einer Veränderung antworten. Lassen Sie es sich beweisen. Als Illustration kann Ihnen die Zeichnung dienen. Sie symbolisiert, wie (in meiner Vorstellung) eine Verbindung zwischen zwei Gedanken entstehen könnte, die bisher noch wenig oder nichts miteinander zu tun gehabt hatten.

Stellen Sie sich einen Redner vor, der mit den Worten beginnt: Bisher kannten Sie mich womöglich als einen Menschen, der …

Die Wahrheit ist eine nie endende Geschichte – täglich weiterzuschreiben

Wenn Ihre bisherige Geschichte über sich ein trauriger, ein deprimierender Bericht gewesen sein sollte, dann ändern Sie das.

Sofort.

Bauen Sie an den entscheidenden Stellen die Vergangenheitsform in Ihre Ich-Story ein. Fügen Sie ein „bisher“ und ein „noch“ in die Sätze ein, mit denen Sie sich bisher selbst am meisten blockiert haben.

Ja, Sie selbst. Sie sind die Person, die unwahre Geschichten über sich entweder wie Drehbücher anderer nimmt – oder durch Ihr Leben so schreibt, dass allen der Irrtum über Sie auffällt. Niemand darf das Recht zugesprochen bekommen, über Sie eine Geschichte zu erzählen, in der Sie ein Statist sind, eine Randfigur.

Innerhalb einer Stunde kann das Skript für Ihre neue Ich-Story entstehen

Kommen Sie ins Zentrum für Supervision. Verändern Sie in einer einzigen Sitzung Ihre bisherige Ich-Story so, dass Sie in Ihrem Leben eine Fortsetzungsgeschichte mit neuen Kapiteln. Schreiben Sie für Ihr Leben Kapitel, auf die Sie sich freuen wie die Leser einer Zeitung, die den Vorabdruck eines Bestsellers kapitelweise bringt.